Worüber ich mich nicht mehr aufrege

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Je älter ich werde, desto weniger rege ich mich auf.

Meine Ausbildung zur systemischen Beraterin und Therapeutin hat meinen Blick auf Menschen und Situationen stark verändert. Ich bin sehr viel gelassener und achtsamer im Umgang mit mir selbst und anderen.

Dennoch gibt es bis heute Dinge, die mich auf die Palme bringen:

  • wenn ich im Streit stehengelassen werde
  • wenn ein Kind unangemessen laut und heftig geschimpft wird
  • wenn Tieren Leid angetan wird, egal wie
  • wenn Macht über Menschlichkeit siegt
  • wenn Menschen ihren Müll unterwegs nicht vernünftig entsorgen
  • wenn in einer Gruppe jemand gemobbt wird
  • wenn Fehlabläufe in Teams nicht reflektiert werden
  • wenn Menschen sich beklagen, statt sich zu engagieren
  • wenn ich „Warum musst du immer … ?!“ gefragt werde

Vielleicht findest du dich in einem meiner Beispiele wieder – auch wenn ich natürlich weiß, dass wir uns individuell über bestimmte Dinge besonders heftig aufregen.

Warum machen wir das?

Sich zu ärgern, bringt meistens nichts.

Dennoch regen wir uns manchmal auf. Das passiert oft in Blitzgeschwindigkeit – von einer Sekunde auf die nächste. Es lässt sich gar nicht verhindern. Umso wichtiger ist es, dass wir uns genau überlegen, wie viel Energie und Aufmerksamkeit wir solchen „Kolbenfressern“ schenken wollen.

Viel spannender als der ganze Ärger ist nämlich die Frage, ob es wirklich etwas für mich zu tun gibt, anstatt mich weiter aufzuregen.

Vielleicht muss etwas gesagt werden. Zum Beispiel nach einem Streit. Niemand kann wissen, wie es in mir aussieht. Deshalb darf ich sagen, wie ich darüber denke und was es mit mir macht (oder gemacht hat).

Darüber reden ist durchaus angebracht und gesund, denn hinuntergeschluckter Ärger verbessert die Dinge nicht und macht auf Dauer krank.

In welchen Situationen überkommt dich der Ärger und lässt dich nicht mehr los? Was stresst dich besonders oder setzt dich besonders stark unter Druck?

Nach meiner Erfahrung geht’s beim Ärgern oft um Liebe. Irgendwo „im System“ fehlt Liebe – oder Selbstliebe.

Die Liebe bringt in der Regel die Leichtigkeit zurück. Dann fällt der Ballast ab, die Wut verraucht, der Ärger legt sich.

Und vor allem spürst du, wenn du deinen Blick auf die fehlende Liebe lenkst, viel klarer und eindeutiger, ob du dich tatsächlich um den Auslöser deiner Verärgerung kümmern willst, ob es überhaupt relevant ist für dich.

Wenn es schon sehr bald keine Bedeutung mehr für dich hat, dann ist die ganze Aufregung vielleicht eher das Ergebnis einer persönlichen Verletztheit oder eines tief empfundenen Defizits.

Wenn Du merkst, dass die Angelegenheit auch Tage oder Wochen später noch von Bedeutung für dich ist, dann ist es vielleicht an der Zeit, sich zu engagieren oder anderweitig aktiv zu werden.

Ich habe zum Beispiel eine Ziege vor dem Schlachthof gerettet, indem ich eine Patenschaft übernommen habe. [Mehr dazu unter https://land-der-tiere.de/patenschaft-im-land-der-tiere/ ]

Verärgerung ist also ein kostbarer Hinweis auf den Einsatz deiner Energie: Sie kann weiter in den Ärger hineinfließen – oder alternativ in etwas Nützliches.

Bitte verstehe mich nicht falsch: Es ist vollkommen ok, sich aufzuregen. Es ist nur die Frage, wie du damit umgehst. Wenn sich dein Ärger einfach nicht beruhigen will, dann darfst du kreativ darüber nachdenken, ob vielleicht eine Aussprache nötig ist – oder ob du dich in Zukunft für eine ganz bestimmte Sache engagieren willst.

So oder so: Investiere deine Energie in Dinge, die Liebe in dir entstehen lassen. Oder anders ausgedrückt: Mach‘ was Cooles aus deinem Ärger! Sich ärgern kann jeder. Konstruktiv damit umgehen – das können die wenigsten.

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