Wie zeige ich der Welt, wie ich ticke?

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Geschmäcker sind verschieden, heißt es. Das stimmt. Ich erinnere mich an einen Abend mit Freunden im Dezember, wo wir das vergangene Jahr Revue passiert haben lassen, mit so Fragen wie: Was war dein liebster Film, dein liebstes Buch, dein liebster Song in diesem Jahr? Und im Laufe des Spiels haben wir alle gemerkt: Hui, das ist ganz schön privat und intim. Da erfahre ich Sachen über die andere Person, die ich bisher gar nicht wusste, obwohl wir uns seit vielen Jahren kennen.

Ich habe mich hinterher gefragt: Wie kommt das? Wie kann das sein? Und ich glaube im Nachhinein, es ist einfach so, dass wir unseren Vorlieben eher im Privaten folgen, als dort, wo es sofort für alle sichtbar werden kann. Das, was wir ganz nah an uns heranlassen und das, was uns berührt – egal, ob Geschriebenes, Musikalisches oder Visuelles – offenbart essenzielle Teile von unseren Bedürfnissen, Sehnsüchten und Träumen. Und diese geheimen Wünsche sind für uns vertraulich und schützenswert – deshalb machen wir sie nicht sofort für jede:n zugänglich.

Was würde wohl passieren, wenn wir direkt mit der Tür ins Haus fallen würden? Ich mache mal den Anfang: Ich lese gerne Romane, die mich zu Tränen rühren (zuletzt Dinner mit Edward: Die Geschichte einer unerwarteten Freundschaft), ich höre gerne Deutsch-Pop und singe ungeniert laut mit (zum Beispiel Flugmodus von Clueso), und ich schaue gerne melancholische Tragikomödien (wie Ein Kuss von Béatrice mit Catherine Frot und Catherine Deneuve).

Hättest du das gedacht, wenn du ein Foto von mir siehst, ein Video anschaust oder mich zum ersten Mal live erlebst? Lässt sich für dich erkennen, was ich in meiner Freizeit bevorzuge und privat genieße? Oder ist das nur mit einem Blick hinter die Kulissen möglich?

Daran schließt sich eine meiner Lieblingsfragen an: Drücke ich mit meiner Art, mich zu kleiden und zu stylen, das aus, was mich bewegt und wie ich ticke?

In meinen Beratungsgesprächen werde ich von Frauen* immer wieder gefragt, wie sie authentischer auftreten können als bisher. Viele Frauen* beschreiben eine Kluft zwischen ihrem inneren Erleben und ihrem äußeren Erscheinungsbild. Oft geht es dabei um genau diese unsichtbaren Anteile der Persönlichkeit, die nicht gleich für jede:n sichtbar sind, und doch ihren Platz im Außen haben wollen.

Niemand will sich komplett neu einkleiden. Und das ist auch gar nicht notwendig. Das große Ganze steht ja meist schon fest: klassisch, sportlich, extravagant, feminin, rebellisch oder naturverbunden – das ist gut zu erkennen und wird bereits voll ausgelebt. Aber dann gibt es da vielleicht noch die Seite, die sich noch nicht so ganz ans Licht traut: Romantik, Harmonie, Freiheitsliebe, Sexiness, Extravertiertheit oder Provokation – jede Frau* trägt Seiten in sich, mit denen sie* sich unsicher fühlt.

Ich rate dann oft zu spielerischen Experimenten, um die Scheu, sich zu zeigen, gekonnt zu umschiffen. Auf diese Weise tricksen wir die bestehende Unsicherheit ein bisschen aus und machen erste Gehversuche in Richtung Veränderung.

Ein Beispiel: Eine Frau, die seit vielen Jahren im Büro arbeitet, vermisst ihr „inneres Zirkuskind“, wie sie es selbst nennt. Im Gespräch mit mir ergibt sich eine Möglichkeit, wie sie diese Seite von sich zeigen kann, nämlich indem sie bunten, farbenprächtigen Schmuck zu ihren eher klassischen Business-Outfits kombiniert. So kann sie sich auch im Büroalltag daran erinnern, dass es eine Seite in ihr gibt, die viel Kreativität und Phantasie besitzt und sinnbildlich gerne im Zirkus auftreten würde.

Das ist eine von vielen Möglichkeiten, wie du mit liebevollen Details innere Anteile von dir in dein Aussehen und dein Auftreten integrieren kannst.

Wir tragen natürlich nicht alle so ein „inneres Zirkuskind“ in uns, deshalb hier noch ein paar weitere Anregungen, die dir dabei helfen können, deine Persönlichkeit optisch auf den Punkt zu bringen:

Mehr „Hippie“: Fransen, Stickereien, Gehäkeltes. Schlaghose, Tunika. Samt, Wildleder(-imitat), Folkloristisches. Perlen, Lederbänder, Nickelbrille.

Mehr „Provokation“: Schnüre, Nieten, Schleier. Zerstörtes, Bizarres, Geschnürtes. Tüll, Netz, Lack und Leder. Amulette, Totenköpfe, Schlangen- und Spinnenmotive. Bondage. Dreadlocks oder buntgefärbte Haare.

Mehr „Ronja Räubertochter“: Wildleder(-imitat), Fell, Walkstoffe, Velour, Wildseide, Cord. Batikstoffe, Stoffdruck mit Natur-/Waldmotiven. Fellweste, Cape, Stulpen. Schnürungen, Schnürstiefel. Lagenlook. Fransen, Kordeln.

Wenn du dir jetzt vielleicht professionelle Beratung und Unterstützung wünschst, um deinen persönlichen Stil-Mix zu finden, dann schreibe mir gerne, was genau dein Anliegen ist und ich bin sicher, wir finden einen guten Weg, wie du in Zukunft deine Einzigartigkeit um weitere Aspekte deiner Persönlichkeit ergänzen und sichtbar werden lassen kannst.

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