Für wen ich mich begeistere

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Jede Frau*, die zu mir kommt, ist anders. Die eine spricht leise, wirkt ruhig und zurückhaltend. Die andere ist lebhaft, spricht laut und schnell und viel. Die eine will alles wissen über die Methode, den Ablauf, die Herangehensweise, das Ergebnis – die andere will sich damit gar nicht beschäftigen und vertraut mir blind.

Die Bedürfnisse und das Verhalten der Frauen* sind sehr unterschiedlich. Wesen und Temperament lassen sich auf den ersten Blick scheinbar schnell kategorisieren: Es gibt lebhaftere (extrovertierte) und ruhigere (introvertierte) Frauen*. Und es gibt eher rationale (Kopf) oder eher emotionale (Herz/Bauch) Frauen*.

Wir tragen natürlich auch all die anderen Eigenschaften in uns, die nicht gleich zu erkennen sind. Keine Frau* ist immer rational oder ständig angeknipst. Wir sind alle alles – mal mehr und mal weniger. Es ist falsch, zu glauben, introvertierte Frauen* seien immer ruhig. Die aktuelle Stimmungslage, die Situation und das Drumherum haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir uns geben und wie wir uns anderen gegenüber verhalten.

Ich habe im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit als Beraterin und Therapeutin gemerkt, dass ich ein besonderes Faible für Leisetreterinnen und Angsthäsinnen habe.

Warum das so ist?

Zunächst einmal: Ich bin selbst eine Leisetreterin und Angsthäsin. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, da wirke ich manchmal laut und unerschrocken – aber da gilt eben auch für meine Person: Wir sind alle alles.

Angst ist meine ständige Begleiterin, schon seit Kindertagen. Gerade in unruhigen Zeiten, in einer Krise oder bei größeren Herausforderungen sitzt die Angst blitzschnell als ungebetener Gast auf meinem inneren Sofa, obwohl ich sie nicht eingeladen habe.

Erst als junge Erwachsene wurde mir bewusst, dass ich nicht die Einzige bin, die Angst hat. Und mir wurde klar: Ich bin nicht nur ängstlich, ich kann auch anders. In bestimmten Situationen bin ich richtig mutig und habe meine Angst gut im Griff. In anderen Momenten dagegen scheint mich die Angst zu blockieren oder sogar komplett lahmzulegen.

Mit Angst kenne ich mich aus. Deshalb begleite ich gerne Frauen, die sich ihren Ängsten stellen wollen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das geht: Hinschauen, wahrnehmen, akzeptieren, anerkennen, liebhaben. Ja, richtig gehört: Liebhaben. Letztlich will die Angst uns schützen. Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Erkenntnis, um alle relevanten Aspekte der Angst aufzudröseln und zu integrieren.

Erst, wenn ich trotz meiner vielen Ängste, Sorgen und Befürchtungen handlungsfähig bleibe, entsteht eine friedliche Co-Existenz von Angst und ›Selbst‹.

Mein zweites Steckenpferd ist die Leisetreterei. Das Introvertierte, Hochsensible, Feinfühlige. Auch diese Seite gehört zu mir und mein engstes Umfeld kann ein Lied davon singen. Ich nehme beispielsweise alles immer sehr intensiv wahr: Stimmungen, Streit, Disharmonie, aber auch Kunst, Kultur und Musik. Nebenbei Musik hören – das kann ich nicht. Entweder ich höre Musik – oder ich mache etwas Anderes. Mir wird schnell mal was zu viel. Ich ziehe mich raus, ziehe mich zurück, da hat die Party oft noch gar nicht richtig angefangen.

Ich musste irgendwann lernen, mit meiner erhöhten Sensibilität wertschätzend und liebevoll umzugehen. Das war nicht leicht, aber für mich hat es sich definitiv gelohnt.

Natürlich begegnen mir in der Beratung auch Frauen*, die mit ihrem Leise-Sein noch nicht so ausgesöhnt sind wie ich mittlerweile.

Das sind zum Teil Frauen*, die mit ihrer Introvertiertheit hadern. Die expressiver, raumfüllender, ausdrucksstärker sein wollen und glauben, dafür müssten sie lauter werden. Müssen sie aber gar nicht. Ausstrahlung hat nicht unbedingt etwas mit Lautstärke oder Extrovertiertheit zu tun.

Oder es kommen Frauen zu mir, die mit ihrer Tendenz hadern, schnell überstimuliert zu sein. Dann höre ich im Erstgespräch oft so Sätze wie: „Ich brauche ein dickeres Fell. Ich muss unbedingt lernen, die vielen Eindrücke von außen besser zu verkraften.“

Meine Antwort ist dann immer die gleiche: „Nein, das musst du nicht lernen. Du darfst so bleiben, wie du bist. Wenn du genügend Rückzugsmöglichkeiten hast, zu Hause und auf der Arbeit, dann wirst du auch weniger schnell müde und überreizt sein. Es geht vielmehr darum, dass du dein eigenes Ruhebedürfnis anerkennst und liebhast.“

›Liebhaben‹ ist ein wertvolles Tool, um sich besser zu fühlen.

In meiner Beratung räume ich gerne auf mit jeder Form von selbstschädigendem Denken und Tun. Erwarte nichts von dir, was deiner Natur zuwiderläuft. Im Gegenteil: Mache es so, dass es deinem Wesen und deinem Temperament entspricht. Dann geht alles viel leichter.

Wenn wir damit aufhören, uns verändern zu wollen, dann darf das, was da schon so lange in uns wartet, endlich zum Vorschein kommen.

Ein Beispiel: Eine Frau in einer heftigen Krise kommt zu mir und sagt, sie suche nun schon sehr lange nach einem Weg, aus dieser Krise herauszukommen. Ihr ist durchaus klar, was von ihr erwartet wird. Familie, Freunde, Ämter und Behörden haben genaue Vorstellungen, was jetzt zu tun oder zu lassen ist. Es herrscht ein massiver Druck von außen. Unter diesen Umständen würde es jeder Frau* schwerfallen, den einen Weg zu finden. Und dennoch ist das jetzt die Aufgabe, die dran ist und die sie letztlich irgendwie meistern muss, nämlich ihren eigenen Weg finden.

Nach mehreren Gesprächen – mit vielen Tränen wegen dem, was war und was ist – tauchen erste Bilder und Visionen auf, was sie gerne machen und was ihr guttun würde: Sie möchte sich von ihrem unzuverlässigen Freund trennen, sich vielleicht neu verlieben, wieder Kontakt mit ihrer Mutter aufnehmen, nachdem sie vor Jahren im Streit den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, und sie möchte höchstens fünfzehn Stunden in der Woche arbeiten, am liebsten als Tierpflegerin. Ihre beiden Kinder möchte sie nicht länger im Hort betreuen lassen, sondern sie möchte nach der Schule für ihre Kinder da sein und Zeit mit den beiden verbringen. Bingo. Endlich Land in Sicht, endlich eine Idee, wie es weitergehen kann für sie. Und das Erstaunliche ist für mich dabei immer wieder: Diese Frau hat das alles bereits in sich getragen – und nun durfte es endlich ans Licht kommen. Welche Freude!

Meine Aufgabe bestand im weiteren Verlauf nur noch darin, sie zu ermutigen, diesen Weg auch wirklich zu gehen und ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Nach wenigen Wochen war so viel geschafft und erledigt wie in vielen Jahren zuvor nicht. Und wieso? Weil diese Frau wieder angebunden war an ihre Kraft, ihre Wahrheit und ihre innere Stimme.

In einem meiner Lieblingslieder heißt es:

»Hör‘ auf die Stimme, hör was sie sagt,
sie war immer da, komm, hör auf ihren Rat,
Hör‘ auf die Stimme,
sie macht dich stark, sie will, dass du’s schaffst,
Also hör was sie dir sagt.«

[aus: Stimme. Eff 2015.]

Wenn du willst, dann kannst auch du gezielt an einer Veränderung arbeiten, die dir ein Leben ermöglicht, das dir entspricht und das dich zur Ruhe kommen lässt, jenseits aller Erwartungen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

Wenn du gerne mehr über mich und meine Angebote wissen willst, dann schau dich gerne auf meiner Website um: www.caroline-sommer.de

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