Weniger Stress und mehr Nachhaltigkeit: Capsule Wardrobe.

Schon mal davon gehört? Nein? Macht nichts. Ich selbst musste auch erstmal recherchieren.

 

Capsule Wardrobe heißt wörtlich übersetzt: Kapselgarderobe. Was soll das sein? Und wie spricht man das korrekt aus?

 

/ˌkæp.sjuːl ˈwɔː.drəʊb/ sagt das Cambridge Dictionary und definiert den Begriff als a small collection of clothes that can be put together in different ways and includes everything you would normally need to wear.

Es geht also ums Reduzieren. Wenig haben und optimal ausnutzen. Klingt interessant. Aber so ganz genau habe ich die Idee mit der Kapsel noch nicht verstanden.

 

Wer hatte überhaupt die Idee? Wo kommt die Idee her? Man könnte ja meinen, die Idee mit der Kapselgarderobe muss jemand erfunden haben, der keinen Platz zur Verfügung hatte und sich »klein« halten wollte. Ich weiß nicht, wie groß die Boutique von Susie Faux gewesen ist, aber die Modefachfrau, die ursprünglich aus der Werbebranche kommt, legte in den 1980ern den Grundstein für dieses minimalistische Kleiderschrank-Konzept.

 

Bereits Anfang der 1970er eröffnete Susie Faux ihre Boutique in London mit dem Namen »Wardrobe«, um – wie sie selbst sagte – Frauen dabei zu helfen, ihren Stil zu finden und dadurch mehr Selbstvertrauen zu entwickeln. Anfang der 1980er Jahre machte sie sich dann einen Namen mit der Erfindung eines neuartigen Einzelhandelskonzepts, welches sie »Capsule Wardrobe« taufte, und verknüpfte dies mit einem neuen Berufsfeld, nämlich dem des Personal Shopper Stylisten.

 

Die Capsule Wardrobe – kurzgefasst: eine Kollektion von Kleidungsstücken, die nicht aus der Mode kommen – lässt sich als Konzept in den USA zurückverfolgen bis in die 1940er Jahre. Hier wurde der Begriff verwendet für kleine Kollektionen, bei denen darauf geachtet wurde, alle Teile derart aufeinander abzustimmen, dass sie problemlos miteinander kombiniert werden können. Erstmal eine kluge und sinnvolle Idee, muss ich sagen. Ursprünglich scheinbar eine Idee des Handels.

 

Susie Faux hat diese Idee aufgegriffen und für die eigene Garderobe, also für die Konsument:innen, umgewandelt: Es wird eine zeitlose Basis geschaffen aus wenigen Teilen, die je nach Saison ergänzt wird. Im Original rät Susie Faux, sich eine Garderobe zusammenzustellen aus:

 

  • 2 Hosen
  • 1 Kleid
  • 1 Rock
  • 1 Jacke
  • 1 Mantel
  • 1 Strickteil
  • 2 Paar Schuhe
  • 2 Taschen

 

Radikal, würde ich sagen. Die Zusammenstellung an Kleidungsstücken entspricht eher meinem Reisegepäck für ein verlängertes Wochenende als meiner gesamten Garderobe. Aber ja – es ist eine klare Ansage. Eine Idee, die für etwas Neues gesorgt hat.

 

Populär wurde diese Idee letztlich durch die amerikanische Designerin Donna Karan, die 1985 solch eine Kapsel-Kollektion mit nur sieben Teilen herausbrachte, die noch dazu den schönen Namen trug »7 Easy Pieces«. Das war eine echte Revolution!

 

Was ich insgesamt an der ganzen Kapsel-Garderoben-Idee charmant finde ist die knallharte Reduktion auf das Wesentliche. Hierbei muss allerdings vorneweg eine Menge geklärt werden:

 

  1. Das Farbschema muss festgelegt werden. Damit alles gut zueinander passt, am besten dezent: Grau, Blau, Beige. Bunt ist hier kaum möglich, sonst leidet die Kombinationsfähigkeit.
  2. Die Schnitte müssen sitzen. Eigentlich muss jedes Teil die perfekte Passform haben. Denn wenn es nicht richtig passt, dann trägst du es nicht – und es gibt keine Ausweichmöglichkeit, weil: Du hast ja nur dieses eine Teil. Das eine Kleid muss also sitzen. Viele Menschen wissen aber nur wenig über Passformen und Körperformen. Hier kann Beratung nötig sein.
  3. Das Gleiche gilt eigentlich auch für die Farbwahl. Wer kennt schon zu hundert Prozent seinen genauen Farbtyp? Hautton und Haarfarbe bilden in Kombination einen bestimmten Typ, dem gewisse Farbtöne eben mehr schmeicheln als andere. Auch hier kann Beratung nötig sein.
  4. Weil die Basis zeitlos sein sollte, kommen für die Grundausstattung eigentlich nur klassische Formen und Muster in Frage. Wer es ausgefallener mag, der ist hier nicht gut aufgehoben.
  5. Die einzelnen Teile werden stark beansprucht. Ein Kleid, zwei Hosen, ein Rock – und keine Ausweichmöglichkeit – da braucht es eine hohe Qualität beim Stoff und in der Verarbeitung. Und das hat seinen Preis.

Was nicht zu übersehen ist: Susie Faux war durchaus eine clevere Geschäftsfrau, indem Sie die Capsule Wardrobe mit der Notwendigkeit eines Personal Shopper Styling verbunden hat. Anders geht es eigentlich auch gar nicht für mein Empfinden. Wenn du nicht genau weißt, was perfekt an dir aussieht, kannst du nicht auf ein Minimum reduzieren. Das will wirklich gut überlegt sein.

 

Im Netz kursieren viele Ideen und Vorschläge zur Capsule Wardrobe. Hier findet eigentlich jede:r Interessierte ein praktikables Modell, sich eine Kapselgarderobe zusammenzustellen.

 

Letztlich geht es immer darum, die Garderobe auf ein Minimum zu reduzieren, indem die Teile möglichst vielfältig miteinander kombiniert werden können. Die wenigsten propagieren heutzutage sieben Teile. Viele tendieren zu 37 Teilen. Na immerhin. Das klingt zumindest nicht ganz so minimalistisch wie bei Donna Karan.

 

Mein Fazit: Das Kapsel-Ding ist für mich nicht das passende Konzept.

Ich liebe Vielfalt und Abwechslung. Ich mag es ausgefallen, extravagant und bunt. Ich reduziere meine Garderobe nur für den Urlaubskoffer -und selbst da tue ich mich schwer und neige dazu, spätestens am Urlaubsort für Variation zu sorgen, indem ich mir irgendwo etwas hübsches Neues kaufe.

 

Außerdem erscheint mir diese radikale Reduktion nicht geeignet für Menschen, die auf dem Land leben, Kinder haben, viel draußen sind, sich schmutzig machen.

Oder Leute, die in der Öffentlichkeit stehen und schon schief angeguckt werden, wenn sie vor der Kamera ein Kleidungsstück zum zweiten Mal tragen.

 

Nichtsdestotrotz lohnt es sich für meinen Geschmack grundsätzlich immer und zu jeder Zeit, für einen Moment innezuhalten und über das Ausmaß an Klamotten nachzudenken, das man im Schrank hat, und regelmäßig Kleidungsstücke auszusortieren, die man nie oder nur selten trägt.

 

Oder was denkst du darüber?

 

Noch mehr spannende Geschichten rund um das Thema Mode findest du in meinem Podcast MEHR ALS NUR KLAMOTTEN.

 

Neugierig? Dann hör doch gleich mal rein in die aktuelle Folge:

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