Von was ich zutiefst überzeugt bin

Ich weiß noch genau wie ich in der Küche gesessen habe und meine Mutter lautstark auf mich eingeredet hat. Ich habe bitterlich geweint und hatte es längst aufgegeben, ihren Worten zu folgen. Ihre Stimme war nur noch ein fernes Rauschen und in mir stieg irgendwann so eine wütende Empörung hoch, die sich zu einem einzigen Satz verdichtete: „Das lasse ich mir von dir nicht verbieten.“


Worum es ging? Ich sollte mich von meinem damaligen Freund trennen. Ich war sechszehn und zum ersten Mal glücklich verliebt. Meine erste große Liebe war deutlich älter als ich, elf Jahre älter, um genau zu sein, und hatte weder Abitur noch einen festen Job. Meine Mutter fand das alles so daneben, dass sie es mir verbieten wollte.


Das alles liegt lange zurück. Aber bis heute bin ich davon überzeugt, dass Liebe sich nicht verbieten lässt – und ein Konflikt nicht im Monolog geklärt werden kann.


Konflikte brauchen einen Dialog.


Und das gilt nicht nur für Konflikte zwischen zwei Menschen, sondern auch für innere Konflikte. Wenn wir eine Entscheidung nicht treffen, weil wir in einem ewigen Hin und Her festhängen, dann gibt es meist Persönlichkeits- oder Seelenanteile, die sich innerlich konflikthaft gegenüberstehen und jede Form von Weiterentwicklung verhindern.


Natürlich haben wir die Möglichkeit, unangenehme oder unerwünschte Anteile abzuspalten, zu verdrängen oder auf Stumm zu schalten. Aber meist rächen sich solche unüberlegten Bewältigungsstrategien, weil diese ungeliebten Anteile sich nicht dauerhaft verdrängen lassen und meist an anderer Stelle wieder auftauchen und dann dort für Unruhe sorgen.


Wenn keine Verdrängung – was dann stattdessen?


Zwischen meiner Mutter und mir war damals kein Dialog möglich. In letzter Konsequenz bin ich ausgezogen und meine Familie hat sich von mir angewandt – allen voran meine Mutter. Meine erste große Liebe war und blieb ein Lebenskünstler, der mich aber nie im Stich gelassen hat und dem ich viel zu verdanken habe. Wir waren sechs Jahre lang ein Paar und ich bin froh, dass ich mir diese kostbare und wertvolle Zeit von meiner Mutter nicht habe verbieten lassen.


Einen Dialog mit einem anderem Menschen können wir nicht erzwingen. Da hilft manchmal einfach nur Abstand und Abwarten. Für unseren inneren Konflikte können wir dagegen die volle Verantwortung übernehmen und uns dialogisch mit ihnen auseinandersetzen.


Wie führt man einen inneren Dialog?


Letztlich ähnelt ein solcher Dialog einem liebevollen Mutter-Kind-Gespräch. Es gibt auf der einen Seite den zugewandten, interessierten Anteil (die Mutter) und den verletzten, verdrängten Anteil (das Kind). Am besten erläutere ich das mal an einem Beispiel:


Angenommen, du möchtest ins Ausland gehen und lässt aber Chance um Chance verstreichen, weil du dich für deine Familie verantwortlich fühlst und sie nicht allein lassen willst, dann wäre das ein typischer innerer Konflikt, der sich dialogisch klären lässt.


Der zugewandte, interessierte Anteil (A) würde beispielsweise anfangen und fragen: Warum gehst du nicht ins Ausland?


Der verletzte, verdrängte Anteil (B) würde antworten: Ich kann meine Familie nicht im Stich lassen.


(A) fragt daraufhin: Wie kommst du auf die Idee, dass du damit deine Familie im Stich lässt?


(B) antwortet: Ich bin immer für alle da. Das fällt ja dann weg, wenn ich ins Ausland gehe.


(A): Wie kommst du darauf, dass das dann wegfällt?


(B): Ich weiß nicht… weil ich ja dann nicht da bin, sondern weit weg im Ausland…(Pause) Vielleicht würde es aber auch gar keinem auffallen, dass ich weg bin. (Pause) Das wäre dann allerdings noch schlimmer… (beginnt zu weinen)


(A): Was genau macht dich jetzt so traurig?


(B): Ach, diese Erkenntnis, dass ich letztlich von meiner Familie nicht gebraucht werde… oder nicht am Gehen gehindert werden würde… das tut weh… (weint noch immer)


(A): Angenommen, die Bindung an deine Familie wäre unabhängig von deinen Auslandsplänen – würde sich dann etwas ändern?


(B): Na ja, wenn meine Familie mich vielleicht gar nicht in der Form braucht, wie ich dachte und ich ins Ausland gehen würde, dann wäre vielleicht gar nicht so richtig was anders in den Beziehung zu meiner Familie… es wäre nur für mich selbst total anders. (Pause) Ich habe das Gebrauchtwerden wohl irgendwie überschätzt. (hört auf zu weinen und überlegt eine Weile) Ich kann ja auf jeden Fall meine Familie dann zu mir ins Ausland einladen oder sie besuchen fahren, wenn mir danach ist. Vielleicht ist mir aber auch gar nicht danach. (lacht leise) Oh, Mann, das ist alles ganz schön verworren… (putzt sich die Nase)


(A): Was würdest du tun, wenn du jetzt demnächst nochmal die Chance hättest, ins Ausland zu gehen?


(B): Ich würde überlegen, ob ich mir das überhaupt vorstellen kann, tatsächlich hier wegzugehen. Irgendwie hat das jetzt gar nichts mehr mit meiner Familie zu tun. Ich spüre eher meine eigenen Ängste und Zweifel. Und die Aufregung. Ich wüsste gar nicht, ob ich das überhaupt noch wollen würde, ins Ausland gehen. Ich würde dann eher danach gucken, was sich für mich besser anfühlt: Gehen oder Bleiben. Puh. Das ist ja echt krass, dass ich immer gedacht habe, ich gehe nicht weg, weil ich das meiner Familie nicht antun kann. Und jetzt so was. (lacht erneut) Aber ich fühle mich freier und unbeschwerter mit der ganzen Sache. (schaut B an und sagt dann mit einem Lächeln) Danke für deine offenen Fragen und dein offenes Ohr, lieber zugewandter, interessierter Anteil.  


So oder so ähnlich verlaufen innere Dialoge, die dazu in der Lage sind, Konflikte zu klären. Immer wieder gibt es tatsächlich ein Happy End. Und das ist doch echt toll, oder?


Die ganze Geschichte war natürlich jetzt rein fiktiv. Aber ich habe solche inneren Dialoge schon viele Male erleben und begleiten dürfen und ich kann dir versichern, dass es in der Regel sehr befreiend ist für die betroffene Person, weil da etwas zur Ruhe kommt und Frieden findet, was oft über viele Jahre für Unruhe gesorgt hat.


Wenn du selbst gerade einen inneren Konflikt hast, dann kannst du dich jederzeit diesem ungeliebten Anteil zuwenden wie eine Mutter sich ihrem Kind zuwendet, in der Art wie ich es gerade beschrieben habe. Und wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, dann bin ich gerne für dich da.


Schreib mir einfach dein Anliegen per Mail an post@caroline-sommer.de und wir schauen gemeinsam, was ich für dich tun und wie ich dir weiterhelfen kann.

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